Und noch was

20. August 2008

Der famose Schriftsteller Michel Houellebecq ist unter die Filmregisseure gegangen und hat daher kürzlich in einem Interview gesagt: „Sex lässt sich nicht verfilmen, darüber kann man höchstens schreiben.“ Was er verschwiegen hat: Manchmal lässt sich auch beschriebene Sexualität nicht abwechslungsreich bebildern.

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Es bleibt alles anders

20. August 2008

Dieser Tage gibt’s wieder Neues zum auf dieser Seite ungern – aber notgedrungen recht oft – beschworenen tipping point in der Medienbranche zu berichten. Dass gerade wieder eine Kündigungswelle durch große amerikanische Zeitungsverlage fegt, ist dabei die geringste Überraschung. Viel anregender ist eine Story in der aktuellen Ausgabe von Portfolio.
Dort trägt Mark Harris die großen amerikanischen TV-Networks ABC, CBS und NBC zu Grabe – also jene Sender, die mit allem alle erreichen wollten und davon lange Jahre auch gut davon leben konnten. Zum Beispiel in den 80er-Jahren, als in den USA 50 Millionen Menschen die „Bill Cosby Show“ sahen – pro Folge. Heute ist das erfolgreichste Format „American Idol“. Die erfolgreichste Sendung der Casting-Show erreichte 28,8 Millionen.
Harris sagt: Die großen Sender sind tot, denn keiner kümmert sich mehr um über Generationen gelernte Konsummuster für seichte Serien und Talkshows am Nachmittag, seriöse News am Hauptabend und aufwändig produzierte Serien- und Show-Ware danach. Die Zukunft gehört schon jetzt der mit Kabel und Pay-TV abgedeckten Nische, dem Netz – und denen, die früh genug das Alte und das Neue so miteinander verschränken können, dass es für Konsumenten auch Sinn ergibt.
Und wo wir schon bei der Sackgasse des „Alles für alle“ sind: Nikolaus Albrecht, der neue Chefredakteur von Vanity Fair-Deutschland, muss sich in Deutschland mit einem Einzelverkauf herum schlagen, der nur knapp über 80.000 Heften pro Woche liegt. Für ein Magazin auf dem deutschen Markt, das es bei seinem ersten Erscheinen im Februar 2007 mit Gala, Bunte, Stern und Spiegel gleichzeitig aufnehmen wollte, ist das eher karg.
Die heutige Süddeutsche Zeitung, die Albrecht porträtiert, erzählt übrigens auch die Anekdote, dass kürzlich Si Newhouse der Berliner Vanity Fair-Redaktion einen Besuch abstattete. Der 79-Jährige ist nicht nur einer der reichsten Amerikaner, sondern ein schillernder Medienunternehmer (hier ein Porträt in der New York Times), der den Condé Nast-Verlag zu einer einer Art Gelddruck-Maschine im Luxus-Segment gemacht und in den 80ern das amerikanische Vanity Fair-Mutterblatt reanimiert hat. Newhouse gab Herrn Albrecht jedenfalls einen guten Rat: Er solle Geschichten öfter mit doppelseitigen Fotos beginnen. Na bitte, Problem gelöst.
Und daher ist es Zeit für eine kleine Conclusio. Die geht so: Auf der einen Seite aussitzen, hoffen, dass der amerikanische Medien-GAU nur abgeschwächt zu uns schwappt und dabei die Butter aufs tägliche Brot verdienen. Auf der anderen Seite nicht nur diesen Blog weiterführen wie gewohnt – nur vielleicht in höherer Frequenz, wenn der Sommer endgültig vorbei ist –, sondern seine Inhalte mittelfristig in eine größere Arena werfen. Mal sehen, wie viele Nächte bis dahin noch draufgehen. Es werden wohl viele sein.

Isaac Hayes ist tot

11. August 2008

Und hier gibt’s drei Gründe, warum das traurig ist.

Die Umhängetasche: eine Klarstellung

6. August 2008

Ja, ich trage oft eine Umhängetasche, die so aussieht wie landauf und landab getragene Umhängetaschen aussehen. Sie eignet sich nämlich vortrefflich zum Radfahren, bietet Platz für mein Notizbuch, meinen Terminkalender (die altmodische Variante mit Papier und Stift), eine oder mehrere Zeitungen, den iPod samt Verbindungskabel und die kleine externe Firewire-Festplatte (vier Jahre alt und 40GB, falls es jemanden interessiert).
Ginge es nach dem neuen Buch des deutschen Autors Martin Reichert („Wenn ich einmal groß bin. Das Lebensabschnittsbuch für die Generation Umhängetasche.“) müsste ich dann, wenn ich zu Hause bin, in meiner Bibel namens NEON blättern. Immer den Tränen nah, weil mich diese Redaktion so was von versteht. Schließlich werden in dieser Zeitschrift auf mehreren Seiten Fragen der Tragweite „Bin ich bereit für ein Kind?“ mit „Vielleicht“ beantwortet, anstatt einfach zu sagen: Tu’s oder tu’s nicht. Und hör’ auf deine Umwelt damit zu belästigen. Es ist ja schließlich nur ein Kind.
Reichert, der dieser Tage durch die deutschen Medien gereicht wird (und diese Woche auch im Falter von seinen Beobachtungen aus der selbsternannten Umhängetaschenhauptstadt Berlin erzählt) ist nicht der erste, der sich mit dem Phänomen einer recht komischen Generation auseinander setzt. Man könnte ihre rund 30-jährigen Vertreter auch Generation Praktikum oder Generation Golf oder sonst wie nennen. Und man erläge damit den gleichen Denkfehlern wie schon andere vor Reichert.
Er nimmt nämlich sich und die Umhängetaschen seiner Freunde viel zu wichtig. So als würden tatsächlich alle Dreißigjährigen Mitteleuropas in gentrifizierten Stadtvierteln an ihren Kreativ-Jobs verzweifeln. So als zeigte es tatsächlich das Abbild einer Generation, wenn man schnell in seinem Stammcafé den Blick durch den Gastgarten streifen lässt. Den 30-jährigen Koch aus Anatolien, der hinten in der Küche Basilikum zupft, sieht er dabei allerdings genau so wenig wie den 30-jährigen Automechaniker (Wie auch: Er fährt schließlich Rad.), den 30-jährigen Postler, den 30-jährigen Straßenbahnfahrer oder die 30-jährige Vorstadtfriseurin – zu der geht er ja auch nicht, denn an seine zerzauste Frisur darf nur eine Künstlerin ran, die in einem originell getauften Studio werkt, das nebenbei auch überteuerte Jeans verkauft.
Womit wir bei der guten Nachricht wären: Die von Reichert Porträtierten mögen zwar ziemlich lebensfremde Deppen sein, aber weh tut sie trotzdem keinem. Schließlich sind sie nur eine Minderheit. Und daher besteht Hoffnung, dass mir die Freude erhalten bleibt, in einer Gegend zu wohnen, wo nicht alle daherkommen wie ich. Sonst müsste ich mir glatt ein Auto samt Aktentasche kaufen, und das will ich nun wirklich nicht.

Im Übrigen sei noch gesagt, dass Paris Hilton eine sehr kluge Frau ist. Warum? Das erklärt dieses entzückende Video.

Sonntagabend 2.0

3. August 2008

Eigentlich sollte hier ja ein kluger Text stehen, der eine Geschichte verhandelt, die gestern auch auf ORF.at zu lesen war. Die Obrigkeit von Los Angeles will nämlich den marodierenden Paparazzi den Krieg erklären, sie mit Bannmeilen bekämpfen, ihnen die Existenz rauben. Das wäre fatal, denn damit würde sich über Nacht unsere Wahrnehmung von Hollywoodstars ändern, die in den ausklingenden Nullerjahren vor allem von so genannten Abschüssen geprägt ist. Und das könnte ein sehr großes Geschäft eindämmen, das auch deshalb prosperiert, weil manche Promis „serialized“ werden, wie es im Jargon der einschlägigen Fotoagenturen heißt. Sprich: Alles, was jemand wie Britney Spears tut, hat verbreitungswürdigen News-Wert, solange es ein Foto davon gibt. Gehen, Kaffee trinken, parken, egal was.
Aber nach einem Tag – ich gebe zu: sehr losen – Nachdenkens war mir das so nahe am täglichen Brot, dass es langweilig wurde. Außerdem empfand ich vor allem Sympathie mit dem Chef des Los Angeles Police Departement, der wegen folgendem Zitat von der Fraktion der politisch Korrekten kritisiert wird: „Seit Britney wieder Kleidung anhat, Paris nicht mehr in der Stadt ist und Gott sei Dank niemandem mehr auf die Nerven gehen kann und Lindsay Lohan offensichtlich lesbisch geworden ist, haben wir kein großes Problem mehr“, sagte dieser William J. Bratton vor laufenden Fernsehkameras. Ja, dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.
Vor allem an Tagen wie heute. Denn so kurz bevor es losgeht, bin ich mir immer noch nicht sicher, ob Olympia und China und alles andere, was dazu gehört, nun gut, schlecht oder gar verachtenswert ist. Seit einer famosen Geschichte in der Süddeutschen Zeitung von gestern weiß ich wenigstens, dass es vor allem dumm werden wird. Nicht wegen der Zensur, wegen ein paar Gemeinheiten des Regimes oder wegen der Allmacht von Großkonzernen, sondern einfach deshalb, weil das Gros der dieser Tage anreisenden Berichterstatter als Sportjournalisten arbeitet. Das ist – so findet Christian Zaschke, selbst eine Mitglied dieser sonderbaren Zunft – fatal. Und weil er das so gut begründen kann, empfiehlt es sich anstatt in diesem Blog ausnahmsweise hier nachzulesen. Gute Nacht.

Im Übrigen …

28. Juli 2008

… lege ich noch Wert auf folgende Klarstellung: Radovan Karadzic ist nicht mein Arzt.

Gute Taten, böse Daten

18. Juli 2008

Noch wurde in Wien ja keines dieser ominösen Autos gesichtet, die Kameras auf dem Dach montiert haben und durch jede Straße der Stadt zuckeln. In deutschen Städten ist das anders, denn dort ist der Suchmaschinenkonzern Google bereits emsig darum bemüht, die Straßenzüge für „Google Maps“ zugänglich zu machen. Bei vielen anderen Metropolen – vor allem in den USA – ist das bereits geschehen. Und wer zum Beispiel einmal kurz in Los Angeles oder sonstwo vorbei surft, um dort virtuell einer Straße entlang zu spazieren, die man schon einmal in realiter beschritten hat, muss zumindest zugeben, dass Google da ein sehr hübsches Feature entwickelt hat.
Wie so viele Aktivitäten von Google erregt die Streetview-Funktion auch viele Datenschützer, derzeit vor allem Deutschland, weil dort dieser Tag emsig fotografiert wir. Ein Eingriff in den höchstpersönlichen Lebensbereich sei das – und damit genau so verwerflich wie archivierte Suchanfragen und all die anderen aufgezeichneten digitalen Spuren, die wir bei unserem täglichen Leben im Netz hinterlassen.
Nur schert sich die Generation, die nun ihr tägliches Leben online abwickelt, einen Dreck um den Schutz ihres höchstpersönlichen Lebensbereiches. Sie trägt ihr Innerstes nach außen, verrät im Facebook-Profil, mit wem sie gerade schläft, berichtet auf Youtube vom letzten Vollrausch – oder fühlt sich nur dazu berufen, ein paar Zeilen in einem persönlich gebrandeten Weblog zu publizieren. Und das Perfide dran: Alles auf diesem Weg Veröffentlichte lässt sich nicht mehr zurück nehmen. Es wird in der Millisekunde archiviert, verbreitet, zitiert, remixt oder sonstwas. Erst, wenn weltweit und für immer aller Strom abgeschaltet wird, ist es weg.
Weil es wahrlich ein Betrug am hier gewählten Format wäre, die gesammelten Postings auf dieser Seite auszudrucken und in eine papierenes Archiv zu heften, dauert es hoffentlich noch ein bisschen, bis es so weit ist. Und sollte tatsächlich jemand mein Surfverhalten analysieren wollen, habe ich nur eine Bitte: die Auswertung der Daten hätte ich auch gerne. Die interessieren mich nämlich auch.

Geschichte machen

14. Juli 2008

Unlängst in der Post …

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… und unlängst im Rest der Welt:

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Das große Weinen

10. Juli 2008

Vor gut drei Monaten habe ich hier über den tipping point im Zusammenhang mit dem Niedergang der gedruckten Zeitung nachgedacht, die Kinder von heute in einigen Jahren wohl nicht mehr kennen werden. Der Vollständigkeit halber hier noch ein paar Tatsachen aus den vergangenen Tagen und Wochen, um die damaligen Thesen abzurunden. Sie haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit – und sie sind nur ein Bruchteil des großen Weinens, das derzeit die Branche beherrscht:
ORF-Online etwa berichtete heute großzügig über den wohl aussichtslosen Kampf der Mitarbeiter des Berliner Verlags („Berliner Zeitung“) gegen ihren spar- und renditewütigen Eigentümer, den britischen Investor David Montgomery. Die Pariser Tageszeitung „Le Monde“ will 129 Stellen abbauen, um die 20 Millionen Euro Verlust von 2007 in den Griff zu kriegen. Die renommierte „Los Angeles Times“ baut 250 Stellen ab und reduziert ihren Umfang um 15 Prozent, weil die zusätzlichen Einnahmen aus dem Online-Geschäft die Print-Verluste bei weitem nicht decken. Und wie es derzeit in den USA außerdem um die Branche bestellt ist, die in den Worten des Pulitzer-Preisträgers Timothy Egan in der New York Times „die blutigste Woche des Jahres“ hinter sich hat, brauche ich hier nicht nachzubeten. Das haben die Kollegen von der Medienlese bereits erschöpfend getan.
Dort ist übrigens auch ein Videostream von MSNBC.com eingebaut, der vom Kahlschlag bei der „Chicago Tribune“ und anderen großen Verlagen erzählt. Der kleine Film erzählt in zwei Minuten und 30 Sekunden mehr als jeder gedruckte Leitartikel. Ich hätte ihn mit ein paar Mausklicks auch selber hier einbauen können. Ein paar Mausklicks, die für ein paar weitere ungelesene Zeilen in irgendeiner Zeitung sorgen – und damit auch wieder ein paar Mausklicks in Richtung tipping point.

Ganz der Papa

9. Juli 2008

Der dubiose Tantriker Sting hat eine 17jährige Tochter, die Coco gerufen wird. Die Arme hat möglicherweise zu oft ihren Vater singen gehört, aber sie weiß auch was daraus zu machen. Heißen wir daher den nächsten Web-Shootingstar Willkommen: I Blame Coco mit „Bohemian Love“ aus der Feder von Pete Doherty.